Naturschutz-Wanderung mit Thekla Walker und Dr. Andre Baumann

Am Samstag, 01.08.2020 veranstaltete die Grüne Landtagsabgeordnete, Thekla Walker, für den Wahlkreis Böblingen, Sindelfingen und die Schönbuchgemeinden eine Wanderung von Holzgerlingen nach Ehningen. Mit dabei war Dr. Andre Baumann, der ehemalige Staatssekretär im Umweltministerium und jetzige Staatssekretär im Staatsministerium und Bevollmächtigte des Landes Baden-Württemberg beim Bund, sowie der Vorsitzende des NABU Sindelfingen-Böblingen und Umgebung, Karlheinz Schaible. Auch mit dabei waren Gemeinderätin Daniela Toscano und Dr. Evelyne Jeaurond vom NABU aus Ehningen. „Besonders freuen wir uns über die Teilnahme eines Ehninger Landwirtes“, ergänzt Toscano, denn durch seine Sichtweisen hat er die Diskussionen sehr bei der Wanderung nochmals sehr bereichern können.“

Zum Start am Bahnhof Holzgerlingen begrüßte Thekla Walker die mehr als ein Dutzend Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Wanderung. „Natur- und Artenschutz sind für mich eine Herzensangelegenheit, auch wenn ich inzwischen für die Finanzpolitik zuständig bin“, hielt Walker zum Einstieg fest. „Wir Grüne haben in den letzten Jahren viel für den Natur- und Artenschutz erreicht. Das gilt es zukünftig fortzusetzen.“

Dem konnte Dr. Andre Baumann nur zustimmen: „Der Natur- und Artenschutz steht seit Beginn der grünen Regierungsbeteiligung im Zentrum der Landespolitik. Seit 2011 wurden die Mittel für Naturschutz im Landeshaushalt kontinuierlich erhöht, von einst 30 Millionen Euro auf heute über 107 Mio. Euro pro Jahr. Der Landtag hat zudem Sonderprogramme zur Stärkung der Biologischen Vielfalt und zuletzt das Biodiversitätsstärkungsgesetz auf den Weg gebracht.“ Baumann dankte den Regierungsfraktionen für die Bereitstellung dieser Finanzmittel und auch der finanzpolitischen Sprecherin der Grünen Fraktion im Landtag: „Thekla, Du setzt Dich seit Jahren für eine Stärkung des Naturschutzes ein – mit Erfolg“, sagte Baumann.

Die erste Etappe führte die Wandergruppe zu den Streuobstwiesen am Bebelsberg und später zu einem Kiebitz-Projekt, das als Ausgleichsmaßnahme für das Baugebiet Hülben II geschaffen wurde. Baden-Württemberg hat eine besondere Verantwortung beim Erhalt der Streuobstwiesen. Jeder zweite Streuobstbaum in Deutschland steht in Baden-Württemberg. Doch die Streuobstwiesen sind in Gefahr. 80% der baden-württembergischen Bestände sind überaltert und durch das rasante Wachstum von Städten und Gemeinden bedroht. Die neu entstehenden Baugebiete wachsen immer weiter in den historischen Streuobstgürtel der Kommunen hinein. Daher wurde die Unterschutzstellung der Streuobstwiesen im Gesetz zur Stärkung der Biodiversität, das der baden-württembergische Landtag gerade erst beschlossen/behandelt hat, rechtlich verankert. „Eine Unterschutzstellung war und ist dringend notwendig“, so Walker.  „Aber auch das kann nur ein erster Schritt sein bei den Bemühungen diese artenreiche und attraktive Landschaft langfristig zu erhalten.“ Damit spielt Walker auf die Forderungen des Naturschutzes an, die Pflegemaßnahmen besser zu honorieren. „Wir setzen uns dafür ein, dass Landwirtschafts- und Schäfereibetriebe für ihren Einsatz für Natur, Klima, Tiere und das Wasser ausreichend entlohnt werden“, sagte Baumann. Zukünftig werde es hoffentlich möglich sein, dass Landwirten und Schäfereibetrieben eine so genannte Anreizkomponente gezahlt werden könne.  Bisher sei dies an den Vorgaben der EU gescheitert, die nur einen Ausgleich für den Mehraufwand und Minderertrag erlaube. „Wir Grüne wollen, dass Bäuerinnen und Bauern mit Naturschutz Geld verdienen.“

Vorbei an Blühstreifen, Emmer- und Sojafeldern ging es zum Maurener See. Dort erwartete Frau Kenntner-Scheible vom Hofgut Mauren die Gruppe. Sie informierte über den Anbau von Sojabohnen zur Aufzucht ihrer Hühner und Schweine. Das Ziel des Betriebes sei es, alle für die Fütterung der Tiere benötigten Futterpflanzen vor Ort selbst zu produzieren, erläuterte Kenntner-Scheible. So würden lange Lieferwege vermieden. Auch der Einsatz gentechnisch unveränderten Saatgutes sei damit garantiert. Am Maurener See konnten sich die Teilnehmerinnen und Teilnehmer ein Bild von den Renaturierungsmaßnahmen machen. Das Gewässer, das öffentlich zugänglich ist, drohte zu verlanden. Im Anschluss daran kam die Gruppe am Waldstück „Ketterlenshalde“ vorbei und über den Sculptoura-Radweg bis zum Endpunkt nach Ehningen.

Der Wandernachmittag ermöglichte den Teilnehmerinnen und Teilnehmern interessante Einblicke in die Umsetzung von Naturschutzmaßnahmen. Es wurde deutlich, dass der Erfolg der Maßnahmen stark vom Einsatz der beteiligten Akteure und von der Unterstützung durch die Bevölkerung abhängt. Am Ende war man sich einig: Bei der konkreten Umsetzung von Maßnahmen für den Naturschutz vor Ort ist schon manches erreicht, es gibt allerdings an einigen Stellen durchaus Verbesserungsbedarf. „Daher ist es für mich von großer Bedeutung, den direkten Austausch mit Akteuren vor Ort aufrecht zu erhalten“, betont Thekla Walker zum Abschied.

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