Besuch beim Holzwerk Keck in Ehningen

Die Fachpolitikerinnen und Fachpolitiker der Fraktion Grüne im Landtag von Baden-Württemberg waren am Dienstag im Kreis Böblingen unterwegs. „Hier sind Industriestandort und ländlicher Raum vereint – Automobilproduktion und Landwirtschaft treffen aufeinander. Wir wollen uns dieses Spannungsverhältnis näher anschauen.“, sagt Thekla Walker zur Begrüßung am Dienstagmorgen.

Nach der ersten Station in der Schönbuch Braumanufaktur empfingen die Geschäftsführer Bernhard und Steffen Rathke die Mitglieder des Arbeitskreises Ländlicher Raum und Verbraucherschutz und die beiden Grünen Gemeinderäte Harald Bürkle und Daniela Toscano auf dem Werksgelände in Ehningen. Die Geschäftsführer zeigten die Lagerstätten der Stämme und die Verarbeitung durch die automatischen Sägen. Thekla Walker wies auch auf „die veränderten Rahmenbedingungen für unsere Wälder durch den Klimawandel hin. Hier hängen auch unmittelbar Arbeitsplätze dran.“ Beinahe alle Laubhölzer, die im Sägewerk verarbeitet werden, stammen aus Baden-Württemberg. Der Klimawandel trifft die Sägebranche unmittelbar, da immer mehr Nadelhölzer aus den Wäldern geholt werden müssen. Die Firma Keck verarbeitet jedoch ausschließlich Laubhölzer.

Steffen Rathke, seit 1988 geschäftsführender Gesellschafter der B. KECK GmbH, Präsident des Deutschen Holzwirtschaftsrates (DHWR), Vizepräsident im Deutsche Säge- und Holzindustrie Bundesverband e. V. (DeSH), erläuterte äußerst anschaulich und spannend die Herausforderungen des internationalen Holzmarktes. Das Ehninger Holzwerk ist durch den hohen Exportanteil betroffen z.B. von aktuellen Produktionseinschränkungen in China wegen des Corona-Virus; ebenso von Handelsbeschränkungen zwischen den USA und China.

Der größte Teil der Laubholz verarbeitenden Industrie – z.B. in der Möbelherstellung – ist mittlerweile aus Deutschland wie auch aus anderen europäischen Ländern abgewandert. So ergibt es sich, dass wir im Möbelhaus in unserer Nachbarschaft Stühle und Tische finden, die in China produziert wurden, das Holz dafür stammt aus dem Schönbuch. Steffen Rathke kennt – genauso wie sein Bruder Bernhard und sein Sohn Markus – die globalen Zusammenhänge und deren ökonomischen und ökologischen Auswirkungen.

In der interessanten Diskussion mit den Landtagsabgeordneten wurde z.B. deutlich, dass durch die fehlende Internalisierung von Umweltwirkungen in die Transportkosten teilweise unsinnige Produktionsverschiebungen resultieren. Wünschenswert wäre, dass möglichst viel des Rohstoffes Holz dort, wo er produziert wird auch zur Verarbeitung und zum Verkauf kommt. Und am Ende seiner Nutzung wird ein Möbelstück dort, wo es seinen Ursprung hat, auch wieder verwertet, dem Kreislauf zugeführt.

Holz- und Forstwirtschaft haben zusammen mit dem Naturschutz eine große und wichtige Aufgabe und Verantwortung. „Als Senke für C02 brauchen wir die Wälder, sie sind einer der wesentlichen Faktoren angesichts des Klimawandels“, betont Steffen Rathke.

Im Holzwerk Keck wird die Synthese von Ökologie und Betriebswirtschaft anschaulich – z.B. an der modernen Heizungsanlage, die von Bernhard Rathke erklärt wird; diese wurde speziell dafür konstruiert, dass Laubholzrinde mit sehr hohem Wirkungsgrad als Energiequelle genutzt werden kann.

Um auch für die Zukunft gerüstet zu sein, hat die Landesregierung im November das Laubholz-Technikum in Lenningen eingerichtet. 30 Millionen Euro stehen dafür im kommenden Landeshaushalt zur Verfügung. Hier soll die Entwicklung innovativer und hochwertiger Verwendungsmöglichkeiten für Laubholz einen wirtschaftlichen und ökologischen Innovationsakzent für Baden-Württemberg setzen. „Damit wird die Erhaltung klimatoleranter Laubwälder und die ökologische Stabilität unterstützt. Mit neuen Verfahren und Anwendungsmöglichkeiten soll das Technikum Laubholz auch dazu beitragen, die Entwicklungszeiten bei der Bereitstellung nachhaltiger Produkte deutlich zu verkürzen.“, führte Thekla Walker weiter aus.

Am Abend fand ein runder Tisch zum Thema „Landwirtschaft und Artenschutz“ im Hotel Waldhorn in Holzgerlingen statt. Der Fraktionsvorsitzende Andreas Schwarz war vor Ort, um den Kompromiss der Landesregierung zum Volksbegehren Pro Biene vorzustellen. Thekla Walker begrüßte die Gäste und führte aus: „Es ist die Aufgabe der Politik mit den Menschen vor Ort ins Gespräch zu kommen! Sorgen und Ängste ernst zu nehmen und so den Kontakt zu allen Bürgerinnen und Bürgern sowie den Unternehmen zu halten. Genau das ist die Grüne Politik des Gehörtwerdens. Der Kompromiss zum Volksbegehren nimmt jetzt sowohl Naturschutzverbände, als auch die Bauernverbände mit und sorgt für eine nachhaltige Lösung.

Im Anschluss gab es die Möglichkeit mit den Fachpolitikerinnen und Fachpolitikern an unterschiedlichen Thementischen ins Gespräch zu kommen. Unter den rund 70 Gästen waren auch etwa 30 örtliche Landwirtinnen und Landwirte und ebenso Naturschützerinnen und Naturschützer. An den Tischen wurde angeregt mit den anwesenden Abgeordneten diskutiert. Auch hier war die Grünen Fraktion aus dem Gemeinderat vertreten und nahm am regen Dialog mit den Landwirten teil.

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